Der süße Brei

Es war einmal ein armer, frommer Knabe, der lebte mit seinem Vater allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und es begegnete ihm da ein alter Mann, der wusste seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollt er sagen: „Töpfchen, koche!“ so kochte es guten, süßen Hirsebrei, und wenn er sagte: „Töpfchen, steh!“  so hörte es wieder auf zu kochen.

Der Knabe brachte den Topf seinem Vater heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, sooft  sie wollten.

Auf eine Zeit war der Knabe ausgegangen, da sprach der Vater:

„Töpfchen, koche!“ Da kochte es, und er aß sich satt; nun wollte er, dass das Töpfchen wieder aufhören sollte, aber er wusste das Wort nicht. Also kochte es fort, und der Brei stieg über den Rand hinaus und kochte immerzu, die Küche und das ganze Haus voll und das zweite Haus und dann die Straße, als wollt’s die ganze Welt satt machen, und war die größte Not, und kein Mensch wusste sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig war, da kam das Kind heim und sprach nur:

„Töpfchen, steh!“ Da stand es und hörte auf zu kochen, und wer wieder in die Stadt wollte, der musste sich durchessen.


Aus: “Der süße Brei” (KHM 103): Der süße Brei bei Wikipedia
Quelle: Der süße Brei bei Grimmstories.com

Anpassung:

  • Geschlechterpronomen
  • aktuelle Rechtschreibung
  • Zeichensetzung
  • Aus „Mädchen“ wurde „Knabe“
  • Zeitform im letzten Absatz wurde angepasst (durchgängig Präteritum)
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