Die Sterntaler

Es war einmal ein kleiner Kabe, dem war Mutter und Vater gestorben. Und er war so arm, dass er kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Er war aber gut und fromm. Und weil er so von aller Welt verlassen war, ging er im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.

Da begegnete ihm eine arme Frau, die sprach:
„Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.“ Er reichte ihr das ganze Stückchen Brot und sagte:
„Gott segne dir’s.“ und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach:
„Es friert mich so an meinem Kopfe. Schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.“ Da tat er seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror. Da gab er ihm seins. Und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein. Das gab er auch von sich hin. Endlich gelangte er in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und der fromme Knabe dachte: ‚Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben.‘ und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie er so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler. Und obgleich er sein Hemdlein weggegeben, so hatte er ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte er sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.


Aus: „Die Sterntaler“ (KHM 153): Die Sterntaler in der Wikipedia
Quelle: Die Sterntaler bei Grimmstories.com

Anpassung:

  • Geschlechterpronomen
  • aktuelle Rechtschreibung
  • Zeichensetzung
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