Die Bäuerin und die Teufelin

Es war einmal eine kluge und verschmitzte Bäuerin, von deren Streichen viel zu erzählen wäre. Die schönste Geschichte ist aber doch, wie sie den Teufel einmal dran gekriegt und zum Narren gehabt hat.
Die Bäuerin hatte eines Tages ihren Acker bestellt und rüstete sich zur Heimfahrt, als die Dämmerung schon ein getreten war. Da erblickte sie mitten auf seinem Acker einen Haufen feuriger Kohlen und als sie voll Verwunderung hinzuging, so saß oben auf der Glut eine kleine schwarze Teufelin.
„Du sitzest wohl auf einem Schatz.“ sprach die Bäuerin.
„Jawohl!“ antwortete die Teufelin. „Auf einem Schatz, der mehr Gold und Silber enthält, als du dein Lebtag gesehen hast.“
„Der Schatz liegt auf meinem Feld und gehört mir.“ sprach die Bäuerin.
„Er ist dein,“ antwortete die Teufelin, „wenn du mir zwei Jahre lang die Hälfte von dem gibst, was dein Acker hervorbringt. Geld habe ich genug, aber ich trage Verlangen nach den Früchten der Erde.“ Die Bäuerin ging auf den Handel ein.
„Damit aber kein Streit bei der Teilung entsteht,“ sprach sie. „so soll dir gehören, was über der Erde ist und mir, was unter der Erde ist.“ Der Teufelin gefiel das wohl, aber die listige Bäuerin hatte Rüben gesät.

 

Als nun die Zeit der Ernte kam, so erschien die Teufelin und wollte ihre Frucht holen, sie fand aber nichts als die gelben welken Blätter und die Bäuerin, ganz vergnügt, grub ihre Rüben aus.
„Einmal hast du den Vorteil gehabt.“ sprach die Teufelin. „Aber für das nächste Mal soll das nicht gelten. Dein ist, was über der Erde wächst und mein, was darunter ist.“
„Mir auch recht.“ antwortete die Bäuerin. Als aber die Zeit zur Aussaat kam, säte die Bäuerin nicht wieder Rüben sondern Weizen. Die Frucht ward reif, die Bäuerin ging auf den Acker und schnitt die vollen Halme bis zur Erde ab. Als die Teufelin kam, fand sie nichts als die Stoppeln und fuhr wütend in eine Felsenschlucht hinab.
„So muss man die Füchse prellen.“ sprach die Bäuerin, ging hin und holte sich den Schatz.


Aus: „Der Bauer und der Teufel“ (KHM 189): Der Bauer und der Teufel bei Wikipedia
Quelle: Der Bauer und der Teufel bei Grimmstories.com

Anpassung:

  • Geschlechterpronomen
  • aktuelle Rechtschreibung
  • Zeichensetzung
  • Aus „Teufel“ wurde „Teufelin“
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