Motivation – Warum das alles?

Die konkrete Idee zu den Schwestern Grimm entstand auf einer ausgedehnten Autofahrt, bei der ich einen längeren Radiobeitrag über die Neueröffnung der GRIMMWELT in Kassel hörte. Die Märchen selbst kamen dabei nur am Rande zur Sprache und es ging auch nicht um eine kritische Würdigung des überlieferten Materials; mehr um das Konzept der GRIMMWELT und deren Sammlungen über die Kinder- und Hausmärchen (KHM) hinaus. Dennoch begann ich unweigerlich über die Märchen und ihre Protagonisten nachzudenken.

Meine Reflexion fand auch vor dem Hintergrund statt, dass ich mich mit dem Themenkomplex Feminismus und Gleichberechtigung seit geraumer sehr intensiv befasse, politisch und beruflich; in den zurückliegenden Monaten sogar noch mehr als sonst. Neben den Diskussionen über Sexismus in der Piratenpartei und meiner Tätigkeit für ein Frauen-Netzwerk in Engineering-Berufen bei meinem Arbeitgeber haben nicht zuletzt die Bücher Weil ein #Aufschrei nicht reicht (und die dem vorangegangene Debatte) von Anne Wizorek und Ein bisschen gleich ist nicht genug von Anke Domscheit-Berg meine Sensibilität für Geschlechterungerechtigkeiten in verschiedenen Kontexten gefördert.

Nachdem ich die ersten Märchen übertragen hatte, habe ich sie einigen Freund_innen gezeigt und mir von ihnen Kritik erbeten. In den Rückmeldungen wurde ich dann mit der Frage nach meiner persönlichen Motivation konfrontiert. Zuerst dachte ich, dass das doch unter der Projektbeschreibung schon stehe. Aber so einfach ist es dann aber doch nicht.

Ich bin kein ausgesprochener Märchenfreund. Auch das wurde mir klar, nachdem ich einige der Rückmeldungen erhalten hatte; mehrfach in der Form „ich mag eigentlich keine Märchen“. Tatsächlich hat sich für mich die Frage nie gestellt, ob mir Märchen gefallen oder nicht. Märchen, vor allem die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen, waren während meiner Kindheit einfach immer da. Nicht zuletzt trugen die zahlreichen Märchenverfilmungen des dazumal noch ‚sozialistischen Bruderstaats‘ Tschechoslowakei dazu bei. Mindestens der Klassiker Drei Haselnüsse für Aschenbrödel dürfte auch heute noch einem breiten Publikum bekannt sein.

Vermutlich gab es auch im Kindergarten eine gewisse „Druckbetankung“ mit dem Grimmschen Kulturgut. Ob das auch im Elternhaus der Fall war, weiß ich nicht mehr. So oder so erscheint es mir, dass die Grimmschen Märchen einen ganz anderen Status hatten als andere Geschichten. Über Gefallen oder Nichtgefallen habe ich überhaupt nicht geurteilt. Und als ich in dem Alter war, in dem ich das hätte tun können, habe ich Märchen schlichtweg nicht mehr konsumiert. Vielleicht lag das am Niedergang des DDR-Fernsehens (im Jahr des Mauerfalls wurde ich 7). Vielleicht hatte das aber auch ganz andere Ursachen. Ich weiß es nicht.

Fantastische Literatur außerhalb des Rahmens klassischer Märchen ist mir geblieben; oder besser: ich habe sie einige Jahre später wieder entdeckt. Während mir eine Zeitlang lediglich Science Fiction nah war, habe ich zum Anlass der ersten Der Herr der Ringe-Verfilmung von Peter Jackson begonnen, mir die Tolkiensche Sagenwelt nach und nach zu erschließen. Vermutlich habe ich im Laufe der Jahre seither jede Veröffentlichung von J.R.R. Tolkien oder Christopher Tolkien mindestens einmal gelesen. Ich war, und bin, ein Fan Tolkiens. Konsequenterweise muss ich auch zugeben, dass mir der Zugang zu jeder anderen Art fantastischer Literatur sehr schwer fällt, weil im Grunde kein Autor an die aus jahrelanger, pedantischer Arbeit heraus entstandene, unfassbar detailreiche Erzählwelt Tolkiens heranreicht, die man hinter nahezu jedem Satz der großen Werke Der Herr der Ringe und Der Hobbit erahnen kann.
Trotz all meiner Bewunderung weiß ich, dass Der Herr der Ringe noch nicht einmal den Bechdel-Wallace-Test besteht, was traurig genug ist.

Ich pflege auch durchaus eine gewisse Affinität zu einer ganz anderen Art von Literatur: Politische und/oder militärische Thriller. Mit 12 Jahren fiel mir das erste Mal Tom Clancys Jagd auf Roter Oktober in die Hände. Gefühlt habe ich das Buch seitdem nicht wieder beiseitegelegt. Clancys Bücher zeichneten sich durch detaillierte technische und militärische Beschreibungen und einen fast ebenso technisch präzisen Schreibstil aus. Dass sie sich zudem mehr und mehr konservativ-patriotisch „auszeichneten“, wurde mir erst später bewusst. Aber, so glaubte ich, auch mit diesem Eindruck und im Bewusstsein dieses Aspekts könnte ich die späteren Bücher mit Vergnügen lesen. Aber ich täuschte mich.
Dass in allen Büchern hauptsächlich Männer agierten, erschien mir gerade im militärischen Kontext logisch und nicht hinterfragenswert. Als jedoch in einem späteren Buch ein mir sehr liebgewonnener Nebencharakter deutlich sexistische Meinungen artikulierte, war der Moment gekommen, den Autor aus dem aktiven Lesefundus zu streichen. Schade finde ich das im Grunde, nicht nur aufgrund des fast technologisch-präzisen Sprachstils Clancys.
Diese Begebenheit hatte aber auch einen positiven Aspekt: sie hat mich noch aufmerksamer gemacht für Rollenbilder, die in Literatur, Filmen und anderen Kunstformen transportiert werden.

All das zusammen, dazu noch ein bisschen Zeit zum Nachdenken und am Ende der Autofahrt stand die Idee für Die Schwestern Grimm.

Viel Spaß dabei. 🙂

Caro aka @688i

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