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Was ist Die Schwestern Grimm?

Die Schwestern Grimm ist eine Projektseite, die das Ziel hat, für die Leserin oder den Leser selbst erforschbar zu machen, welche Wirkung die für viele Generationen prägenden Märchen der Gebrüder Grimm haben, wenn man die Geschlechter der handelnden Charaktere variiert. In vielen Märchen der berühmten Märchensammler werden (zeit- und gesellschaftstypische) Geschlechterklischees reproduziert. Da die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen aber auch heute noch große Beliebtheit und Verbreitung erfahren, werden auch Kinder schon in jungen Jahren mit genau diesen Klischees konfrontiert.

Fraglos ist ein Märchen oder auch eine Sammlung davon kein alleinig prägendes Moment für die Sicht der Welt des Kindes. Und keinesfalls soll den Gebrüdern Grimm auf diese Weise eine Schuld an der noch immer herrschenden Ungleichheit der Geschlechter in unserer Gesellschaft zugeschoben werden. Das ist ausdrücklich nicht das Ziel dieses Projekts.

Wir bewegen uns aber in einer Welt, die durchsetzt ist mit längst überholten und dennoch omnipräsenten Rollenbildern. Jedes Einzelne davon sollte sichtbar gemacht werden; ob in der Werbung, in Berichterstattung, in allgemein genutzter Sprache, in Kunst, Kultur und Politik.

Die Schwestern Grimm will genau das tun.

Methode

Die Methode ist denkbar einfach. Grundlage der Bearbeitung sind frei zur Verfügung stehende Texte der Gebrüder Grimm (die Quelle ist jeweils unter dem Märchen angegeben). Diese Texte werden überarbeitet hinsichtlich der Geschlechter und Namen der handelnden und genannten Charaktere; oft werden so genannte Genderswaps durchgeführt. Weiterhin wird die Zeichensetzung angepasst und, gelegentlich und dann auch kommentiert, in die Formulierung eingegriffen, wenn die Sprache allzu ungewohnt für unseren zeitgemäßen Sprachgebrauch erscheint. Da die Sprache der Brüder Grimm und ihrer Zeit aber durchaus großen Einfluss auf die Atmopshäre eines Märchens hat, wurden Anpassungen daran nur überaus zurückhaltend vorgenommen.

Ausschlüsse

Nicht alle Kinder- und Hausmärchen eignen sich als Grundlage für Genderswaps. Tiermärchen werden generell von der Bearbeitung ausgenommen, denn auch wenn darin Geschlechterklischees dargestellt werden, so spielen die charakterlichen Zuschreibungen der Tierarten in der Regel eine größere Rolle.

Auch gibt es Märchen, die der Darstellung christlicher Mythologie widmen (beispielsweise der Notwendigkeit des Danks für die Lebensmittel). Diese sind meist kurz und weit stärker religiös geprägt als die Mehrzahl der Kinder- und Hausmärchen. Außerdem fehlt ihnen in der Regel der erzählerische Charakter. Bis auf wenige Ausnahmen wird auf deren Bearbeitung ebenfalls verzichtet.

Weiterhin wird bewusst davon abgesehen, Märchen mit antisemitischen Anspielungen und Inhalten zu bearbeiten.

Schlussbemerkung

Zu Beginn wurden die Geschlechter der Protagonist_innen in den Märchen lediglich in einem heteronormativen Referenzrahmen ohne LGBT-Konstellationen bearbeitet. Das war eine temporäre Festlegung, um ein gewisses Gefühl für die Texte und auch die Konstellationen zu entwickeln. Mittlerweile kommen auch queere Paarkonstellationen hinzu.

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6 Gedanken zu “Die Schwestern Grimm

  1. Tolles Projekt, aber es würde sich noch besser machen, wenn im Text oben erklärt würde, dass die „Brüder Grimm“ eben nicht die alleinigen Urheber der Märchen waren, sondern sie damals eine Projektgruppe gegründet hatten, in der hauptsächlich Frauen (!) die Märchen zusammentrugen & ausarbeiteten. So zeichnet z.B. die lesbische Annette von Droste-Hülshoff für „Schneewittchen“ (!) & „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ verantwortlich, was so gut wie kaum jemand weiß. Ich würde mich auf eine kritische „Brüder Grimm“-Ausgabe freuen, in der unter jedem Märchen der_die tatsächliche Verfasser_in stünde – auch das wäre mehr als aufschlussreich, denn solch ein Märchen auch noch aus Frauenhand geschrieben wirft noch einmal ein anderes Bild auf die Märchen, wenn sie schon ganz neu betrachtet werden sollen v.a. hinsichtlich auch Gender. Und dann macht der Titel „Schwestern Grimm“ wirklich Sinn 🙂

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